Interview bei NECROWEB (Autor: Pitchfairy / NecroWeb - 04/2005)

CARETAKER ist eine noch relativ junge Band, die sich der elektronischen Musik verschrieben hat.
Sebastian Tessendorf (vocals, lyrics, programming) und Sascha Eversmeier (programming, lyrics, guitar, bass)
haben Anfang des Jahres, unter der Obhut des s?chsischen Labels Zone 30 Records, ihr erstes Album "Amorph"
ver?ffentlicht. Ein Neubeginn in vieler Hinsicht, da die vorherigen EP's "Dunkle Liebe" und "Idyll" deutlich mehr in
Richtung Trance/ Techno gingen. Diese beiden in Kleinstauflage erschienenen CD's wurden noch von Knorkator-
Mitglied Alexander Thomas produziert. Doch nun haben Caretaker ihren eigenen Weg gefunden und starten mit
"Amorph" durch. Grund genug f?r uns, die Band n?her zu beleuchten und per Mail ein Interview mit Sebastian
und Sascha zu f?hren.
Hi, hier ist Billie/pitchfairy vom NecroWeb-Team. Unser Online-Musik-Magazin m?chte Caretaker n?her vorstellen,
also gibt es hier ein 10/10-Interview, d.h. es gibt 10 ausf?hrliche Fragen an die Band und 10 Schnellschussfragen,
um Euch besser kennen zu lernen.
Here we go...
 Caretaker gibt es seit 2001. Wie habt Ihr euch gefunden und wie seid Ihr ?berhaupt dazu gekommen, Musik zu
machen?
Sascha: Der Sebastian hat urspr?nglich einen zweiten Keyboarder gesucht und ich war seit meinem Umzug nach
Berlin auf der Suche nach einer Band. So kam es dann zur kurzzeitigen Dreierformation bei Caretaker. Vom da-
maligen zweiten Mann haben wir uns nach ein paar Monaten getrennt. Wir sind beide schon recht lange Musiker.
Sebastian spielt schon seit ein paar Jahren Keyboards und ich war viele Jahre als Bassist und Tonmann t?tig.
Wie bei den meisten ist das meist ein Weg, den man fr?h in seiner Kindheit oder in der Jugend einschl?gt.
 
Ihr seid aus Berlin, wo sich auch Euer Studio befindet. Wie kommt es, dass Ihr mit einem Label in Sachsen zu-
sammenarbeitet?
Sascha: Ich arbeite beruflich viel mit Leuten aus Sachsen zusammen, da kann ich Dir sagen, so schlecht sind die
Leute dort gar nicht, auch wenn es anfangs schwer ist, auch nur ein einziges Wort zu verstehen, haha...
Nee, im Ernst: Sebastian und der Ronny von Zone 30 kennen sich schon l?nger, die Chemie stimmt und wir wer-
den liebevoll umsorgt. Alles l?uft auf einer sehr pers?nlichen Ebene ab und wir alle bestimmen unser Tempo
und den Kurs zu gleichen Teilen.
 
Auf Eurer Homepage habe ich gelesen, dass Ihr euer neues Album intern als "Deb?t" der Band bezeichnet.
K?nnt Ihr das kurz erkl?ren, da Ihr ja schon ein Album auf dem Markt habt?
Sebastian: Das w?re mir aber ganz neu. Also WIR haben kein weiteres Album auf dem Markt. Es gibt 3 Singles
auf dem Markt. (Anm. d. Red.: Das war ein Verst?ndnisfehler beim Recherchieren, sorry...)
Sascha: Die Singles waren vor meiner Zeit. Wir hatten ?bergangsweise noch einen Song aus jenen Tagen im Set,
haben ihn aber schon bald wieder hinausgeworfen, als wir merkten, dass wir musikalisch einen etwas anderen
Weg einschlagen werden. Dieser ganze Prozess hat relativ lange gedauert und es war schon ungef?hr Anfang
2003, bis wir uns eine Basis erarbeitet haben, auf die wir dann mit den Songs von "Amorph" ankn?pfen konnten.
Insofern ist das schon eine Art Neuanfang gewesen, deshalb der Begriff "Deb?t".
 
Euer Album hei?t "Amorph". Was bedeutet f?r Euch das Wort "amorph"?
Sascha: Getreu der tats?chlichen Bedeutung - "strukturlos" - besch?ftigt sich das meiste auf dem Album mit
Wandlungen im Leben, mit Erwartungen, Zielen, ?u?eren Einfl?ssen und der Jagd nach etwas, das man gar nicht
so richtig zu fassen bekommt. Die Welt dreht sich, und wir mit ihr, M?rkte globalisieren sich, Gewinner und Verlierer
entstehen, das t?gliche Leben wird schneller. Sicherheiten schwinden, jedem von uns wird Ver?nderung abverlangt.
Sicher ein Prozess, den wir alle mit zu verantworten haben, allein deshalb lohnt es, sich ein paar Gedanken dar?ber
zu machen.
 
Die Lieder auf "Amorph" sind konsequent in Deutsch getextet. War das eine Herausforderung oder ein Anspruch
an Euch selbst?
Sascha: Anfangs war es nicht einfach. Aber wir haben es uns in den Kopf gesetzt und arbeiten stetig dran. Mit der
Zeit ging es recht fluffig von der Hand und ich denke, mittlerweile k?nnen wir es uns auch gar nicht mehr anders
vorstellen. Es ist schon eine Herausforderung, weil im Deutschen alles schnell so kantig und sperrig klingt. Da
?berlegst du manchmal recht lange an einem einzigen Wort herum. Im englischen klingt es viel eher angenehm,
weil einfach die eigene Melodie der Sprache unterst?tzend wirkt.
Wir denken auch, man muss nicht auf Teufel komm raus international klingen. Sicherlich hast du mit deutschen
Texten im Ausland schlechte Karten, andererseits sehen wir keinen Grund, warum wir uns einem industriellen
Diktat unterordnen sollten. Der momentane Erfolg vieler deutschsprachiger Bands zeigt ja, dass sich Musik doch
nicht so leicht globalisieren l?sst, wie sich einige Major-Labels gedacht haben.
 
Woher nehmt ihr die Themen f?r Eure Texte?
Sascha: Man nehme zwei K?pfe, 4 Ohren, 4 Augen... wir sind ja noch nicht scheintot, von daher kann man aus-
gehen, dass wir in irgendeiner Art das verarbeiten, das uns t?glich umgibt. Zum Teil sind das pers?nliche
Ereignisse, zum Teil Gedankeng?nge zum aktuellen Tagesgeschehen. Letztlich findest du bei Caretaker-Texten
schon die Welt der Menschen dahinter wieder, wenn auch gefiltert, konzentriert und ab und zu ein wenig ab-
strahiert.
 
Wie lange dauert es bei Euch normalerweise, bis ein Titel so ist, dass Ihr damit zufrieden seid?
Sascha: Es dauert erst eine halbe Ewigkeit und dann quillt es uns zu den Ohren raus. Aber ich denke nicht, dass
es erstrebenswert ist, sich zu fr?h mit etwas zufrieden zu geben. Viele Feinheiten gehen nat?rlich im Gesamtbild
unter und die wenigsten H?rer d?rfte es interessieren, ob etwa der Sound 124 von Synth XYZ auf Kanal 26 0,2dB
mehr Pegel bekommen hat oder eine bestimmte Loop genau im Nulldurchgang geschnitten ist. Solche Sachen
dauern aber lange. Dann pr?geln wir uns aber auch regelm??ig um jedes einzelne Wort in einer Zeile, was sicher-
lich mindestens genauso wichtig ist und anscheinend auch honoriert wird.
 
Ist Musiker zu sein ein Traumberuf f?r Euch?
Sascha: Mit meinem 'normalen' Beruf bin ich mehr als zufrieden und ?berhaupt nicht scharf darauf, eine Familie
durchs Musikmachen ern?hren zu m?ssen. F?r mich ist Musik eher eine Herzensangelegenheit. 
Sebastian: Dito.
 
Wie w?rdet Ihr Eure Musik selbst einordnen?
Sascha: Schwer zu sagen. Am liebsten gar nicht. F?r die einen machen wir zu wenig harten EMB, um das Pr?dikat
"EBM-Pop" zu verdienen. F?r Future-Pop sind wir bestimmt zu langsam und haben zu wenig verstimmte S?gezahn-
Sounds im Gep?ck. F?r "reinen" Pop sind wir den meisten bestimmt zu traurig. F?r Synthpop sind wir vielleicht zu
hart, immerhin spielen wir live mit Drummer und haben Gitarre und Bass dabei. Von daher ist's auch gar nicht so
eindeutig. Wir sind live definitiv anders als auf CD.
 
Habt Ihr schon Pl?ne f?r eine Tour zum Album?
Sascha: Wir sind sicher noch nicht in dem Stadium, das eine Tour rechtfertigen w?rde. Wir kommen ja gerade-
wegs aus dem Nichts, kaum einer kennt uns bislang. Da liegt erst mal die Hauptanstrengung: wir haben einen
Tontr?ger, mit dem wir auf uns aufmerksam machen wollen. Dazu passen einzelne Clubgigs am besten.
Als junge Band musst du dir erst mal eine H?rerbasis schaffen, du musst und willst die Leute kennen lernen,
jeden Gig als einzigartig begreifen, alles aufsaugen. Wir sind keine dieser Playback-Bands, wo nur der Gesang
live ist, sondern es kommen Drums, Gitarre, Bass und Keys dazu. Entsprechend aufw?ndig sind auch die Vorbe-
reitungen, wobei z.B. unser Drummer dazu 400km nach Berlin eiert und wir wie eine normale Rockband proben
und auch mal gerne was an den St?cken ?ndern. Wir wollen Konzerte als einzigartigen Moment festhalten, jeder
Gig soll anders werden. Als Support auf einer Tour f?r einen etablierten Act hast du diese M?glichkeit nicht, von
daher sind einzelne Clubgigs sehr charmant.
 
Nun zu den Schnellschussfragen, da hat uns, au?er Sascha und Sebastian, auch der Livedrummer Sven Rede und
Antwort gestanden.
Eure Lieblingsstadt?
Sebastian: Zwickau
Sascha: Bielefeld. Kein Witz.
Sven: Paris
Raucher oder Nichtraucher?
Sebastian: Raucher
Sascha: Partyraucher. Bl?de Marotte.
Sven: Raucher
Mit wem w?rdet Ihr gern mal zusammen auftreten?
Sebastian: And One
Sascha: Mesh
Sven: David Bowie
Eure erste selbstgekaufte Platte/CD?
Sebastian: Mike Oldfield - Island
Sascha: Falco - Einzelhaft
Sven: Eurythmics - Sweet dreams
Wer war Eure Lieblingsband als Jugendlicher?
Sebastian: Mike Oldfield, Project Pitchfork, The Cure, 80er Mucke/ New Wave etc.
Sascha: Depeche Mode, Iron Maiden, Megadeth, The Smiths, Sisters. In der Reihenfolge.
Sven: Aerosmith
Wo k?nnt ihr euch am besten entspannen?
Sebastian: In der Sonne liegen und schlafen.
Sascha: Unter Wasser, beim Tauchen.
Sven: In der Sauna.
Sommer oder Winter?
Sebastian: Dies ist eigentlich egal.
Sascha: Extreme sind immer suboptimal.
Sven: Definitiv Sommer.
Euer Leitspruch?
Sebastian: Nutze den Tag.
Sascha: Nur die harten kommen in'n Garten.
Sven: Da gibt es viele...
Wie viel Zeit verbringt ihr morgens im Bad?
Sebastian: 10 Minuten (3min Z?hne putzen, 2min Toilette, 4min waschen, 1min k?mmen.)
Sascha: Unendlich lange, behauptet jedenfalls meine bessere Hälfte.
Sven: Recht wenig.
Euer momentanes Lieblingslied?
Sebastian: Deine Lakaien - Over and done
Sascha: Moby - Lift me up
Sven: Apocalyptica - Wie weit
Vielen Dank für das Interview :-)
(Quelle: Necroweb)
 
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